Ich zB. schätze auch sehr viel an deutscher Literatur, Kunst, an Ideen aus Deutschland, und finde sogar, dass wir musikalisch in letzter Zeit einiges interessanteres zu bieten haben als etwa die USA – Geschmackssache, ja natürlich. Dennoch käme mir nicht in den Sinn, darauf speziell stolz zu sein. Das käme mir vor wie eine Vereinnahmung von Dingen, die ich nicht gemacht habe und die mir nicht gehören. Auch finden sich gerade bei der Literatur und den Ideen genug Autoren, die selber mit Stolz-auf-Deutschland-sein nichts am Hut haben/hatten, das wäre also vollkommen widersinnig. Und ich mag manche Landschaften in Deutschland sehr, oder dass Schröder den USA im Irak-Konflikt eine Absage erteilte. Nur – Stolz auf Deutschland bin ich nicht, denn all das, für das Deutschland steht ist einfach zu ambivalent und widersprüchlich und heterogen. Mir fehlt das aber auch nicht. Für vieles, für das Deutschland international steht, würde ich mich schämen, wenn ich mich so mit Deutschland identifizieren würde. Ich habe zB. mit den Sekundärtugenden wie Fleiß und Pünktlichkeit, für die Deutschland steht, nicht viel am Hut. Ich bin auch nicht stolz darauf, dass Deutschland Israel U-Boote liefert, damit Israel sich im Falle des Falles damit verteidigenkönnte (nein, nicht gegen die Palästinenser, die schwimmen nicht mit Fregatten herum). Ich finde das nur einfach gut und konsequent. Möglicherweise haben es die Leute auf Kreta in der Beziehung einfacher. Die waren u.a. übrigens auch Opfer von Massenerschiessungen durch Deutsche im zweiten Weltkrieg. Ich beneide sie aber auch nicht um ihr Fahnenschwenken, für mich hat das immer was lächerliches. Stolz bin ich auf Dinge, die mir selber alleine oder zusammen mit anderen gut gelingen.